839 Mottainai

Wettbewerb für die Erweiterung des Primarschulzentrums Paul Reinhart, Weinfelden.
Kunde
Primarschulgemeinde Weinfelden
Spektrum
Architektur
Leistungsphase
1-2
Ort

Weinfelden, Schweiz

Fläche

8800 qm

Zeitraum

2025

Verlorene Klarheit zurückgewinnen

Ursprung
Das Schulhaus von Max Peter Kollbrunner liegt zwischen Wilerstrasse und Industriestrasse in Weinfelden und ist als Ensemble aus drei Volumen organisiert: zwei Unterrichtstrakte und die Aula auf einem gemeinsamen Sockel. Proportionen, Lage im Gelände und die tektonische Ausformulierung des Sichtbetons prägen bis heute die räumliche Wahrnehmung der Anlage; Splitlevel in den Klassentrakten und der Sockel erzeugen eine Abfolge von Innenräumen und Außenräumen, die Wege, Orientierung und Begegnung strukturieren. Ein Umbau im Jahr 2005 fasste die beiden Unterrichtstrakte zu einem einzigen Volumen zusammen und veränderte damit die ursprüngliche räumliche Gliederung des Ensembles. Mit dem wachsenden Raumbedarf der Schule entsteht nun die Aufgabe, das Gebäude zu erweitern, und dabei mit der architektonischen Klarheit von Kollbrunners ursprünglichem Konzept zeitgemäß umzugehen.

Weiterbauen statt Neubauen

Konzept
Der Entwurf folgt einer klaren Haltung: freilegen, präzisieren, ergänzen. Die Aufstockung sitzt als leichter, hölzerner Körper über dem bestehenden Betonbau, ohne dessen massive Haptik zu kopieren: nicht das Material und seine Schwere werden übernommen, sondern die konstruktive Präzision des Sichtbetons, übersetzt in eine zeitgemäße, leichtere Tektonik. Die Nachverdichtung entwickelt sich konsequent in der Vertikalen und bleibt vollständig innerhalb des bestehenden Fußabdrucks; zusätzliche Flächen werden nicht versiegelt. Im Sockel werden die zuvor verteilten Funktionen neu organisiert und entlang klarer Achsen strukturiert. Ein eingeschnittener Innenhof, im Bereich des alten, zugeschütteten Schwimmbads, bringt Tageslicht tief in den Bau und wird zum Orientierungspunkt, von dem aus Wege und Räume intuitiv erfahrbar werden. Die Aula wird erweitert und übernimmt zusammen mit der Schulleitung die repräsentative Adresse der Schule. In den Klassentrakten liegen je drei Klassenzimmer auf einer Ebene und bilden zusammenschaltbare Lernlandschaften; die Gruppenräume sind ein halbes Geschoss versetzt und lassen sich einzeln, kombiniert oder gemeinsam nutzen. Auch im Außenraum wird nicht neu versiegelt: Ein Ringweg verknüpft die drei Zugänge im Westen, Osten und Süden und verbindet Wald, Sportfeld und Lernzonen zu einer Abfolge von Außenräumen. Das bestehende Wäldchen wird erweitert, Retentionsflächen sorgen für mehr Diversität von Flora und Fauna, und auf dem Sockel selbst entstehen aus den bestehenden Pflanztrögen kleine Landschaftsräume mit Schatten und Aufenthaltsqualität. Die vertikale Erweiterung schärft die Silhouette und Lesbarkeit des Ensembles im Quartier, ohne dass die Schule an Offenheit oder Großzügigkeit verliert. Konstruktiv bleibt der massive Bestand die tragende Grundlage, während die Aufstockung vollständig in Holzmassivbauweise entsteht, eine der Textur des Sichtbetons verwandte, aber leichtere und wärmere Materialsprache. Getreu seinem Namen versteht der Entwurf das Weiterbauen im Bestand als eigene, ökonomische Form des Bauens: einfach, präzise, dauerhaft.

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